Ein bisschen Aufschrei zum Wochenende darf schon sein, oder?

Heute früh twitterte ich, dass es dem Durchschnittsdeutschen wohl nicht so gut geht, wenn er jeden Tag sich nicht mindestens einmal so richtig aufregen kann. Sei es der Autofahrer vor ihm an der Ampel, die Schlange an der Supermarktkasse, der Nachbar,… Aber es sollte doch einfach mal mehr Gelassenheit Einzug halten. Nicht nur mehr Gelassenheit wagen, sondern umsetzen.

Und es gibt ja immer ein paar Aufreger. Dafür hat beispielsweise die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff gesorgt, die nichts zurücknimmt, weil sie Retortenkinder als “Halbwesen” bezeichnet und die Reproduktionsmedizin als “abartig” abkanzelt. Hier musste ich auch ein wenig aufstoßen und habe gedacht, wie die Dame wohl am Morgen aufgestanden ist. Welche Gedanken schwirrten ihr durch den Kopf. Wer ihre Rente später zahlt, neben der Künstlersozialkasse, kann es nicht gewesen sein. Ich nenne das nicht nur blind, sondern familienverachtend. So viel Aufreger muss mal sein.

Johannes Korten sucht nach Menschen, die sich am Empörungsfasten beteiligen. Mit der lesenswerten Kolumne hat er durchaus recht. Aber mir scheint, dass das in vielen Teilen der Bevölkerung nicht angekommen zu sein scheint. Die Familie gilt nicht mehr als ein Hort der Glückseligkeit, wenn sie es denn jemals war. Ruhe und Gelassenheit soll den Kindern vorgelebt werden, damit wir nicht alle zu einer “Generation Ritalin” werden. Aber wir sind auf dem besten Wege dahin. Wenn unser Nachwuchs nicht so handelt, wie man es gerne von außen hätte, wird korrigiert, gemaßregelt, hier ein Förderkurs, da Logo- oder Ergotherapie. Es ist manchmal nicht zum Aushalten.

Womöglich haben wir Eltern sogar Schuld? Nach den Helikoptereltern, kommen jetzt sogar schon die “Kampfhubschraubermütter”. Bei der Bezeichnung bei focus online zuckte ich doch innerlich sehr zusammen. Mir gehen auch Elterntaxis etc. auf den Keks, aber wenn man den ganzen wiedergekäuten Medienquark immer wieder liest, meint man, es gäbe keine “normalen” Eltern mehr. Das ist natürlich auch hausgemacht. Eine Meldung wird x-mal kopiert – sie strömt aus allen Kanälen auf uns ein und wir meinen, es  gibt derzeit nicht anderes mehr. Abschalten ist angesagt. Und das scheint in der heutigen Zeit immer schwerer zu fallen. Gilt aber dann auch für alle – und das lässt sich natürlich nicht verwirklichen. Man kann sich nur immer wieder selbst an die eigene Nase fassen und es besser machen – aber was das Thema Erziehung und Gelassenheit angeht, so muss es auch von außen kommen: Ihr da draußen, oftmals ohne Kinder, wollt von uns Eltern mehr Gelassenheit. Dann fangt doch damit mal an und lasst uns in Ruhe. Dann könnte alles ein wenig harmonischer sein.

Veröffentlicht von

www.zwillingswelten.de

Sven startete 1998 mit einer Seite rund um Bücher ins Internetzeitalter. Seit der Geburt seiner Zwillinge interessiert er sich für Einrichtungsideen rund um das Wohnen für Familien. Neben dem Lesen skandinavischer und englischer Krimis ist er auf der Suche nach interessanten Rezepten und technischen Neuigkeiten, sowie kindgerechten Apps.

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