Gequassel aus dem Kinderzimmer und Düfte beim Wecken

Was mache ich morgens? Ich schaue mich in Sozialen Netzwerken um, bei Facebook, Twitter, Pinterest und ausgesuchten Newsseiten schaue ich, was es Neues gibt. Den einen oder anderen Denkanstoß kann man schließlich gut gebrauchen. Dazu einen frisch gebrühten Kaffee. Er kurbelt meine kleinen grauen Zellen an und los geht es in einen neuen, hoffentlich produktiven Tag. Dass wir uns immer mehr selbst vermessen, messen, auswerten, ist manchmal in unserem Sinne, manches Mal auch im Sinne der Krankenversicherung, bei der wir sind. Doch, wohin wird das alles noch führen?

Diese Geschichte der Fitness-Apps, die für die Krankenkassen eine neue Datensammelquelle sind, hat eigentlich in unser schnellebigen Zeit einen Bart. Wenn nicht sogar einen seeeeehr langen Bart. Aber ich krame sie gerne einmal wieder hervor. In einem Land, das kaum noch Geburten verzeichnet, in der die Gesellschaft immer älter wird, die Kommunen und der Staat die steigenden Pflegekosten ja nicht subventionieren kann und die Kassen es irgendwann nicht mehr packen, die steigenden Ausgaben zu decken, sind die Versicherer natürlich darauf angewiesen, zu erfahren, wie es den Menschen eigentlich geht. Nichts einfacher als das, wenn man ihnen Fitnessarmbänder und eine passende App schenkt, ihnen erzählt, sie könnten dadurch ihren monatlichen Versicherungsbeitrag etwas minimieren, wenn sie die Daten an die Kasse senden. Ja, warum auch nicht. Geiz ist geil, das eingesparte Geld kann man dann ja schön für Fitness-Getränke oder Fastfood ausgeben. Was natürlich nicht im Sinne der Kasse ist. Big Brother is watching you und Orwells “1984” ist nicht dreißig Jahre her, sondern jetzt. Und morgen. Und übermorgen und überhaupt.

Wir geben unsere Daten gerne weiter. Dafür bekommen wir Dienste kostenlos, wie bei Suchmaschinen, sparen Mitgliedsbeiträge ein oder summieren sie für eine “tolle” Prämie. Wohin das richtig führen wird, lässt sich gar nicht schwarz genug ausmalen.

Im Kinderzimmer

Aber nun zu meinem eigentlichen Anliegen. Das Ausspionieren im Kinderzimmer. Es gibt quasselnde Barbies, die ständig mit dem Internet verbunden sind. Sie lauschen hier und dort. Oder man lässt sich mit den Lieblingsgerüchen wecken. Was für ein Schmarrn. Da programmiere ich lieber meine Kaffeemaschine oder packe eine Zeitschaltuhr ran. So brüht er pünktlich morgens einen Kaffee und ich habe den richtigen Duft in der Nase. Aber wo wir schon beim Quasseln waren. Es gibt doch nichts Schöneres als die Stimmen der Kinder. Wenn diese Kickstarter-Aktion fruchtet, findet sich womöglich dieses quasselige Plastikdingens in den Zimmern wieder. Es kann Aufnehmen und schickt die Aufnahme in die Cloud. Dort können die Verwandten, Großeltern, Geheimdienste etc. alles hören, was wir so von uns geben.

Früher, ja früher hat man mit den Großeltern noch Skype genutzt. Und heute spricht man in die Cloud. Bitte nicht.

Zum Geburtstag hatte ich mir die Gesamtausgabe der Fernsehserie “Die kleine Farm” gewünscht. Meine Kindheitserinnerungen in rund 200 Folgen, die wir alle zusammen sehr gerne schauen. Eine andere, entschleunigtere Zeit. Ohne Gequassel aus der Cloud, ohne Internet, ohne ständig Online sein und ohne Fitness-Armbänder. Dabei gab es auch damals schon Erfindungen, die die Menschheit beglücken sollten. In der Folge “Die Sprechmaschine” kam ein Handlungsreisender in den kleinen Ort Walnut Grove, um ebenso eine Maschine zu verkaufen. Auf Staniol konnte man alles Gesprochene “aufnehmen” und wieder ausgeben. Der Phonograph von Edison sollte Einzug halten.

Was würde Edison denken, wenn alles Aufgezeichnete in der Cloud landet. Gequassel hin oder her. Ich glaube, es würde ihn schütteln. Was meinst du?

Veröffentlicht von

www.zwillingswelten.de

Sven startete 1998 mit einer Seite rund um Bücher ins Internetzeitalter. Seit der Geburt seiner Zwillinge interessiert er sich für Einrichtungsideen rund um das Wohnen für Familien. Neben dem Lesen skandinavischer und englischer Krimis ist er auf der Suche nach interessanten Rezepten und technischen Neuigkeiten, sowie kindgerechten Apps.

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